Studierende aus Stendal erkunden Ästhetische Lernwerkstatt und Labor

Erscheinungsdatum: 24.06.2026

Studierende des Bachelorstudiengangs Kindheitspädagogik der Hochschule Magdeburg-Stendal besuchten die HAWK in Hildesheim. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Frage, wie ästhetische Bildungsprozesse in der kindheitspädagogischen Hochschullehre angebahnt, begleitet und reflektiert werden können. Die Studierenden erhielten Einblicke in die Lernwerkstattarbeit der HAWK und setzten sich insbesondere mit der Ästhetischen Lernwerkstatt sowie dem Ästhetischen Labor als hochschuldidaktische Erfahrungs- und Reflexionsräume auseinander.

Prof. Dr. Lena Sophie Kaiser und Dr. Lisa Disep führten die Gäste aus Stendal in die konzeptionellen Grundlagen der Lernwerkstattarbeit an der HAWK in Form der Klang- und Musikwerkstatt, der Sprachwerkstatt, der ästhetischen Lernwerkstatt und des ästhetischen Labores ein. Dabei zeigte sich deutlich, dass Lernwerkstätten nicht als bloße Praxisräume zu verstehen sind, sondern als vorbereitete, materialreiche und reflexiv gerahmte Bildungsräume, in denen Wahrnehmung, Gestaltung, Erkundung und theoretische Auseinandersetzung ineinander fließen. Für die Professionalisierung angehender Kindheitspädagog*innen bieten solche Räume die Möglichkeit, Bildungsprozesse nicht nur theoretisch zu analysieren, sondern sie leiblich, sinnlich und handelnd zu erfahren.
Im Zentrum des Besuchs standen verschiedene ästhetische Material- und Erfahrungsarrangements, die  HAWK-Studierende des dritten Fachsemesters im Rahmen eines Seminars entwickelt und vorbereitet hatten. Die Gäste aus Stendal konnten diese Arrangements selbst erproben, beobachten und anschließend fachlich reflektieren. Dabei arbeiteten sie unter anderem mit Licht, Schatten, Farbe, Folie, Filtertüten, Gewürzfarben, Leuchttischen und unterschiedlichen bedeutungsoffenen Materialien. 

 

In der Ästhetischen Lernwerkstatt und im Ästhetischen Labor wurde sichtbar, wie Materialien zu Ausgangspunkten forschender und gestaltender Prozesse werden können. Die Studierenden untersuchten, wie Licht durch Materialien hindurchscheint, wie Schatten entstehen, wie Farben wirken und wie sich Oberflächen, Transparenz, Struktur und Anordnung auf Wahrnehmung und Gestaltung auswirken. Damit verbanden sich fachliche Fragen danach, wie Kinder ästhetische Phänomene entdecken, wie sie Bedeutungen entwickeln und wie pädagogische Fachkräfte solche offenen Prozesse begleiten können, ohne sie vorschnell zu steuern oder zu verengen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag in dem Besuch der Lernwerkstatt der Kita Campus-Kinder, hier gestalteten die Studierenden Porträts ihrer Mitstudierenden in selbst gewählten Gefühlsfarben. Diese Aufgabe verband ästhetisches Gestalten mit Fragen von Wahrnehmung, Beziehung, Ausdruck und Interpretation. Die entstandenen Folienporträts zeigten eindrücklich, wie Farbe, Linie, Transparenz und Überlagerung genutzt werden können, um Stimmungen, Eindrücke und subjektive Wahrnehmungen sichtbar zu machen. Zugleich bot das Arrangement Anlass, über ästhetische Bildungsprozesse im Kindesalter und deren Bedeutung für Selbst- und Weltverhältnisse nachzudenken.
Der Besuch machte deutlich, welchen Stellenwert ästhetische Bildung in der kindheitspädagogischen Professionalisierung einnehmen kann. Ästhetische Lernwerkstattarbeit ermöglicht es Studierenden, sich mit Materialien, Räumen und Phänomenen explorativ auseinanderzusetzen und daraus didaktische, pädagogische und theoretische Fragestellungen zu entwickeln. Sie lernen, Bildungsprozesse nicht primär vom Ergebnis her zu denken, sondern von Wahrnehmung, Erfahrung, Beziehung und Ausdruck auszugehen.
Ergänzend erhielten die Gäste Einblicke in weitere Lernwerkstattbereiche der HAWK, darunter die Sprachwerkstatt, die von Anja Siemens vorgestellt wurde.
Insgesamt zeigte der Austausch mit den Studierenden aus Stendal, wie produktiv hochschulübergreifende Begegnungen für die Weiterentwicklung kindheitspädagogischer Studiengänge sein können. Die Teilnehmenden gewannen vielfältige Eindrücke für ihre eigene professionelle Entwicklung und konnten die Lernwerkstattarbeit der HAWK als Verbindung von ästhetischer Erfahrung, didaktischer Reflexion und kindheitspädagogischer Theoriebildung kennenlernen.